4. Pasewalk als Eisenbahnknotenpunkt

    Um den ständig steigenden Anforderungen gerecht zu werden und die Leistungsfähigkeit der Strecke zu erhöhen, machte sich ein zweigleisiger Ausbau der Hauptstrecke Berlin-Pasewalk-Stralsund erforderlich. Dies geschah ab dem Jahr 1903. Die zahlreich entstandenen Dienst- und Wohngebäude machten in Pasewalk den Bau eines bahneigenen Elektrizitätswerkes und einer Gasanstalt erforderlich. In der Region Torgelow/Ueckermünde entwickelte sich ein bescheidener Güterumschlag zwischen der Eisenbahn und der Flussschifffahrt in Pasewalk. Dadurch konnten sich die Eisengießereien und die Ziegeleien weiter entwickeln. Der Transport der Rohstoffe, wie zum Beispiel des Eisenerzes, auf der zur damaligen Zeit schiffbaren Uecker gestaltete sich durch die geringe Tiefe dieses Flusses problematisch. So war die Industrie an ein gutes, zuverlässiges und billiges Transportmittel interessiert, denn nur dann konnte sie ihre Arbeit aufrecht erhalten. Am 25. April 1882 billigte der Landtag den Bau der Strecke Jatznick-Ueckermünde. Es wurde eine Bausumme von 1,2 Millionen Mark veranschlagt. Diese reichte jedoch nicht aus, da sich die Arbeiten wegen ungünstiger Untergrund- und Bodenverhältnisse schwierig gestalteten. Besondere Verzögungen brachten die zahlreichen Brücken mit sich. Am 20. April 1884 wurde auf dem Teilstück Jatznick-Torgelow und am 15. September 1884 bis Ueckermünde der öffentliche Zugbetrieb aufgenommen. So konnten die zahlreichen Ladestellen auf dieser Strecke in Nutzung genommen werden. Der Güterverkehr spielte auf dieser Strecke, bis in die Jahre nach der Wende, eine nicht unbedeutende Rolle. So verkehrten bis zum Jahr 1990 täglich mehrere Nahgüterzüge, die stets gut ausgelastet waren. Durch die Schließung einiger produzierender Betriebe, bzw. die Verlagerung des Transportes auf die Straße, hat der Güterverkehr auf dieser Strecke heute keine große Bedeutung mehr. Auch die Beförderung von Reisenden und Berufspendlern hat im Zeitalter des individuellen Automobilverkehrs an Bedeutung verloren, sodass die Stecke schon kurz vor dem "Aus" stand. Im Jahr 2000 zog sich die Deutsche Bahn AG als Nachfolger der Deutschen Reichsbahn nach 116 Jahren aus Kostengründen aus der Personenbeförderung zurück. Seit dem Fahrplanwechsel im Juni 2000 wird diese Strecke nun vom modernen Triebwagen der Ost-Mecklenburgischen-Eisenbahn (OME) befahren. Zu den treuen Fahrgästen zählen heute die Schüler der Berufsschule bzw. die Angehörigen der Bundeswehr. Die Nutzung als Ausflugsbahn zum Stettiner Haff hat noch nicht die erhoffte Bedeutung erhalten. Der Bahnhof in Ueckermünde liegt immerhin noch ca. 3km vom Haffbad entfernt. Am 13.05.1850 wurde die Strecke Bad Kleinen-Rostock eröffnet. Schon zu diesem Zeitpunkt machte man sich Gedanken über eine Weiterführung der Bahn über Güstrow, Neubrandenburg und Pasewalk und damit eine Anbindung an die Berlin-Stettiner-Eisenbahn. Aber es sollten noch Jahre ins Land gehen, in denen viele Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden mussten. Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen der Interessen der Bahnanlieger zum Beispiel Trassenverkauf. Endlich, im Jahr 1862 am 23. April war Baubeginn und die Arbeiten gingen nun zügig voran. Schon nach 2 Jahren am 15. November 1864 wurde die Strecke Güstrow-Neubrandenburg unter Führung der Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Bahn (MFFB) in Betrieb genommen. Auch von Pommern aus gab es seit der Eröffnung der Strecken Angermünde-Pasewalk und Stettin-Pasewalk am 16.03.1863 Forderungen nach einem Anschluss an die Eisenbahn in Richtung Westen. Auf Grund unterschiedlicher Interessen zwischen Mecklenburg und Preußen war die Realisierung dieses Vorhabens aber schwierig, befand sich doch nahe Strasburg die Zollgrenze zwischen Mecklenburg und Preußen. Es wurde eine Senkung des Durchgangszolles ab 1868 und der Wegfall ab 1887 vereinbart. Damit war ein westliches Hindernis für die Bahn zwischen Pasewalk und Neubrandenburg beseitigt. Die nun beginnenden Arbeiten an der zu errichteten Strecke gingen recht zügig voran, so dass die offizielle Betriebseröffnung am 15. Dezember 1866 stattfinden konnte. Damit war der Eisenbahnknotenpunkt Pasewalk an der Ost-West-Verbindung Stettin-Lübeck und der Süd-Nord-Verbindung Berlin-Stralsund entstanden.
    5. Die Kleinbahn Pasewalk-Klockow

    Um die in Richtung Pasewalk ankommenden Güter weiter in die Region transportieren zu können, machte es sich erforderlich, eine weitere Bahn zu bauen. Das Straßensystem war noch unzureichend und das Kraftfahrwesen noch nicht entwickelt. So entschloss man sich zum Bau einer 750 mm Kleinbahn von Pasewalk über Bröllin nach Klockow. Im Dezember 1892 erteilte die Pasewalker Polizeiverwaltung die Baugenehmigung für ihr Territorium. Nach zügigem Baugeschehen wurde bereits am 10. November 1893 der Betrieb aufgenommen, zuerst mit Pferdebetrieb. Den stetig steigenden Anforderungen an die Bahn konnte der Pferdebetrieb nicht gerecht werden und so wurde der Beschluss gefasst, die Bahn auf Dampfbetrieb umzustellen. Der Dampfbetrieb auf der 16 km langen Strecke wurde am 7. Oktober 1908 eingeführt. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 20 km/h festgelegt, wobei in Ortschaften 12 km/h zugelassen waren. Da die Bahn nur zum Gütertransport vorgesehen war, reichte diese Geschwindigkeit aus. Auf dem Gelände des heutigen Baumarkts, in der Lindenstraße, entstand der Kleinbahnhof mit einer Umladestation auf regelspurige Bahnen. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm die deutsche Reichsbahn die Betriebsführung. Da der öffentliche Personenverkehr zu dieser Zeit sehr eingeschränkt war, wurde am 1. Februar 1948 mit der Beförderung von Reisenden begonnen. Diese endete nach 13 Jahren, am 27. September 1961. Der Güterverkehr wurde im Jahr 1963 aufgegeben. Am 4. Oktober 1963 wurde der Bahnbetrieb auf der Kleinbahn mit einer Abschiedsfahrt eingestellt, die im Volksmund auch liebevolle "Marie Klockow" genannt wurde.
    6. Die Auswirkung des Krieges

    Auch der Bahnhof Pasewalk wurde, wie die Stadt selbst, in den letzten Kriegslagen im April 1945 stark in Mitleidenschaft genommen. Der Zugverkehr und das ganze Eisenbahnwesen lag auch in Pasewalk, wie in ganz Deutschland, nieder. Mit dem Ende des Krieges übernahm zunächst die Besatzungsmacht die Leitung der Deutschen Reichsbahn. Am 1. August 11945 wurde durch die Rote Armee die Weisung zur Wiederinbetriebnahme der Strecke Prenzlau-Pasewalk erteilt. Dies sollte in zwei bis drei Wochen möglich sein, wobei die gesprengt Ueckerbrücke bei Nechlin ein besonderes Hindernis war. Als Wiedergutmachung wurde das zweite Gleis demontiert und in die Sowjetunion verbracht. Nach und nach normalisierte sich das Leben, die Wirtschaft begann sich zu entfalten und die Anforderungen an die Bahn begannen zu steigen. Bei der Bahn ging es wieder voran. So werden im Jahr 1957 in Pasewalk vier Stellwerke neu gebaut und mit neuer Technik ausgerüstet. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde die Strecke Berlin-Stralsund wieder zweigleisig ausgebaut, um den wachsenden Leistungen auf der Schiene gerecht zu werden. Ab dem 28. Mai 1988 ist Pasewalk an das elektrische Schienennetz angeschlossen. In dieser Zeit entsteht auch das Bahnstromwerk Pasewalk, dass die Wartung der elektrischen Fahrleitung sicherstellt. Mit der Fahrleitung kommen auch die E-Loks nach Pasewalk. Um die Unterhaltung dieser modernen Fahrzeuge absichern zu können, entstehen im Bahnbetriebswerk moderne Anlagen.
    7. Die Auswirkungen der Wende

    Nach der Wende veränderte sich vieles auf dem Bahnhof Pasewalk. Bedingt durch den Rückgang des Reiseverkehrs schließt die MITROPA-Bahnhofsgaststätte. Die Sanitätsstelle auf dem Bahnhof schließt und auch der Zeitungskiosk auf dem Bahnsteig stellt seinen Betrieb ein. Auf dem Bahnhof gibt es zwischenzeitlich nicht mal mehr Toiletten. Durch die Zusammenlegung von der Deutschen Bahn und der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG verändert sich auch die Strukturen in vielen Geschäftsbereichen. Die Anzahl der Mitarbeiter sinkt drastisch, da vieles den marktwirtschaftlichen Notwendigkeiten angepasst wird. So wird der Bahnpostverkehr und der Stückgutverkehr eingestellt. Der Güterverkehr erlebt einen drastischen Einbruch. Heute ist der Bahnhof Pasewalk als Haltepunkt von zahlreichen Interregiozügen, sowie Regionalexpress bzw. Regionalbahnen von Bedeutung. Wie sich die Entwicklung der Bahn in unserer Region in der Zukunft gestalten wird, ist nicht nur von dem wirtschaftlichen Aufschwung abhängig, sondern erfordert auch das Engagement der zuständigen Politiker. Diese Abhandlung soll aufzeigen, wie eng die Entwicklung der Region an die Eisenbahn gebunden ist. Sie konnte einzelne Abschnitte nur kurz streifen und so einen kleinen Einblick in die Geschichte der Bahn geben.